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Dienstag, Oktober 26, 2021

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Cosa Nostra, Kultur und Kulinarik oder prächtige Paläste, passende Patronen und perfekte Portionen in der Città Metropolitana di Palermo mitsamt der Provinz

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Palermo, Sizilien, Italien (Retroreisen). Allüberall ist vom Weltkulturerbe die Rede und viel zu viel wird darüber auch geschrieben. Auch während geführter Touren auf ausgetretenen Pfaden in Sizilien werden Kulturreisende darauf hingewiesen, dass zum sizilianischen Weltkulturerbe die archäologischen Stätten von Agrigent an der Südküste Siziliens, die Villa Romana del Casale, sie ist eine spätrömische Villa in der Nähe der Stadt Piazza Armerina, die äolischen Inseln Lipari, Vulcano, Salina, Strombolie, Filicudi, Alicudi und Panarea mit ihren vulkanischen Landschaften, die Städte des Spätbarocken des Val di Noto im Südosten der größten Insel des Mittelmeers, Syrakus und die Felsnekropolis von Pantalica sowie der Ätna, der aktivste und mit rund 3.323 Meter über dem Meeresspiegel höchste Vulkan Europas. An Natur und Kultur habe Sizilien Bestes zu bieten, meint Tommaso , ein Fremdenführer aus Messina.

Die Autonome Region Sizilien kann also nicht nur mit 1.152 Kilometer Küste glänzen sondern auch mit Natur- und Kulturstätten. Die ungefähr 5 Millionen Sizilianer dürfte das freuen, dass Anfang Juli 2015 den Erbauern der arabisch-normannische Altstadt Palermos sowie den nicht weit von der Hauptstadt Siziliens gelegenen Kathedralen von Cefalù und Monreale posthum eine weltweite Würdigung erwiesen wurden. Das sollte einigen der auf rund 160 Quadratkilometern lebenden 700.000 Einwohnern Palermos, die ihre Stadt meist Palermu oder Paliemmu nennen, Auftrieb geben.

Tommaso Pantè besteht darauf, mit Tommaso angesprochen zu werden und waschechter Sizilianer zu sein, ja, auch Europäer und schließlich sogar Italiener - in dieser Reihenfolge. Er würde sich freuen, wenn der Kulturtourismus anziehen würde. Ideal für Kulturreisen seien der Frühling oder der Spätsommer und frühe Herbst, wenn die Temperaturen moderat seien, meint der stattliche wie sonnengebräunte Mitvierziger mit leicht grau meliertem Haar. Vor allem im Frühling sei Sizilien grün und überall würden Blumen blühen. Dem schlanken Recken mit den wachen wie wissbegierigen Augen glaubt man das gerne. Wer im Sommer auf Sizilien seinen Urlaub verbringe, der solle nicht nur am Meer bleiben, sondern sich ins Hinterland, hoch in die Berge bewegen, tut Tommasso kund. Nicht nur der Monte Quacella oder der Monte San Salvatore, der Pizzi Deneri oder der Pizzo Carbonara, um nur einige zu nennen, würden im Hochsommer nicht nur eine Erfrischung bieten, sondern auch Abwechslung vom Müßiggang am Strand.

Vorerst bewegen wir uns per pedes durch Palermo, Tommaso vorneweg, um bürgerliche und kirchliche Bauten aus der Ära des Normannischen Königreichs Sizilien (von 1130 bis 1194) zu bestaunen: Der Palazzo Reale mit der Cappella Palatina, das Normannenschloß Castello della Zisa, die Kirchen San Giovanni degli Eremiti, Santa Maria dell'Ammiraglio und San Cataldo, die Kathedrale und der Ponte dell'Ammiraglio - alle Gebäude sind Sehenswürdigkeiten.

Laut Tommaso seien sie ein Beispiel des soziokulturellen Synkretismus aus westlicher, islamischer und byzantinischer Kultur auf Sizilien, das sizilianisch Sicilia und griechisch Trinakria genannt werde, wobei die griechische Bezeichnung Dreikap die geografische Form der großen Insel vor der Stiefelspitze der Republik Italien recht anschaulich beschreibt.

Palermo per pedes verlangt nach einer Pause. Nahezu perfekt erscheinen die Parkanlagen der Stadt. Der Parco della Favorita am Fuß des Monte Pellegrino ist zwar der größte und auch der Botanische Garten ist, weil Johann Wolfgang von Goethe dort nach der Urpflanze suchte, fürs Anschauen mit Anekdoten gut geeignet, doch im kleinen Park Giardino Garibaldi vor dem großen Palazzo Chiaramonte und nah an einer Marina für Millionäre mit beachtlichen Segel- und Motoryachten wachsen gigantische, großblättrige Feigenbäume wie sonst nur in Australien.
Wer nicht nur Grün sondern auch Ruhe will, der besichtige Friedhöfe.

Warum auch nicht? Auf dem Friedhof Santa Maria dei Rotoli liegt der Bildhauer und Jugendstilarchitekt Ernesto Basile, dessen Bauwerke sich hier und da auf Sizilien finden lassen und der für das Teater Massimo in Palermo nach dem Tod seines Vater die Federführung übernahm.

Das Teatro Massimo auf der Piazza Verdi dürfte als Italiens größtes und Europas drittgrößtes Opernhaus nicht nur für Dienstleistungs-Gewerkschaftler ein Das-muss-ich-gesehen-haben sein, weil eine Büste von Giuseppe Fortunino Francesco Verdi vor der Tür steht, sondern auch für Cineasten, denn Francis Ford Coppola wählte das Teatro Massimo als Schauplatz für die Schlussszenen in Der Pate – Teil drei. „Verdi eröffnete das Teatro Massimo übrigens“, erklärt Tommaso, um mich von Ver.di abzulenken, „mit der in Mailand uraufgeführten Oper Falstaf“, während wir im großen Opernsaal, der 3 200 Personen Platz zum Sitzen bietet, unter einer kolossalen Kuppel stehen und staunen. Heute wird das Teater Massimo, das – keine Frage – mehr als einen neuen Anstrich benötigt, für viele Arten von Veranstaltungen genutzt, nicht nur für eine mehr oder minder komische Oper mit lustigen Weibern von Windsor.

Großes Theater bieten auch lokale und regionale Politiker in Palermo, doch für die ist in diesem Artikel kein Platz, wohl aber für Paläste. Wer sich auf einem der Märkte wie dem Mercato della Vucciria, der einst der Markt der Metzger war, mit Obst und Gemüse, Fleisch und Fisch eingedeckt hat, der strebt zu den Häusern der Herren, um diese zu bewirten. Die farbenfrohen Lebensmittelmärkte, die Vucciria, seien, so Tommaso, ein Geheimtipp, „um einen Einblick in die Vielfalt und Frische saisonaler und regionaler Gärten mit mediterranen Produkten zu gewinnen“. Das glauben wir gerne und gehe weiter zu den Gewinnern.

Die Reichen, die selten schön sind, lebten in hohen Häusern, die im Mittelalter meist festungsartig gestaltet wurden. Paradebeispiel sei der Palazzo Chiaramonte, sagt Tommasso, und führt uns vor das spätgotische Gebäude des 14. Jahrhunderts auf Sizilien. Blicken sollten Besucher auch auf den Palazzo Sclafani, den Palazzo Abatellis, den Palazzo Pretorio, in dem sich heute das Rathaus befindet, dem Palazzo Aiutamicristo und vor allem dem Normannenpalast, der an der höchsten Stelle des mittelalterlichen Stadtgebietes steht, die einst von zwei Flüssen umschlungen waren. Im 9. Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung wurde dort für den Emir von Palermo eine Sommerresidenz gebaut. Emir müsste man sein oder Roger der Zweite, für den die Residenz zu einem Regierungssitz umgebaut wurde, obwohl dort weiterhin residiert wurde. Statt Emire aus Arabien waren fortan normannische Könige Herren im Haus, weswegen der Palazzo Reale (Königspalast) auch Palazzo dei Normanni (Normannenpalast) genannt wird. Wessen Füße so weit tragen, dessen Wunsch sollte sein, hinein zu gehen. Heute sitzen im Palast die Parlamentarier der Autonomen Region Sizilien und wandeln Reisende wie wir, vor allem durch die mit dem gespendeten Geld des Großbourgois Reinhold Würth zwischen 2003 und 2008 restaurierte Cappella Palatina (Palastkapelle), die vor lauter Blattgold glänzt. Darauf ein Goldwasser!

Wenn von Kapellen die Rede ist, dann sind Kirchen nicht weit. In der Kürze der Zeit eines Kulturreisenden bleiben nur Blick auf und in Kathedralen. Doch die Bedeutendste, die Kathedrale Maria Santissima Assunta, lohnt für Leibhaftige deutscher Zunge, die beim Spaziergang vom Normannenpalast nicht aus dem Halse hängt, denn der Weg ist ein leichter und nicht weit. Die Kathedrale beinhaltet nämlich Kaiserknochen. Der im normannisch-arabischen Stil errichtete Bau beherbergt die Gräber der Staufer Heinrich VI. und Friedrich II. samt seiner Mutter Konstanze von Sizilien.

Keine Frage, größere Strecken sollte man in Palermo mit dem Roller zurücklegen, aber unbedingt auch zu Fuß durch die Straßen der Stadt streunen.

Übernachtungen

Für die Übernachtung schlagen wir das Grand Hotel Piazza Borsa in Palermo vor.

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